Eine kleine Nachlese vom Vergleichsfliegen in "Kaiserstadt"...

Unsere Fliegerfreunde aus "Kaiserstadt" hatten für Ende April zum "2. Königsdorfer Vergleichsfliegen" eingeladen... nachdem ich von HGR die Ankündigung weitergeleitet bekommen hatte, habe ich mich kurzentschlossen um die Mitnahme unserer "2020" bemüht und mich nach entsprechender Genehmigung  angemeldet...

Eigentlich wollte auch Peter noch teilnehmen, doch leider hat ihm ein blöder Skiunfall einen Strich durch die Rechnung gemacht...
Aber ganz allein mußte ich dann nicht los, denn HGR hat sich dann spontan als "coachende Crew" zur Verfügung gestellt.

Gesagt getan, am Freitag den 27.04. trafen wir uns dann um kurz vor 20:00 Uhr zum Briefing bei der Segelfluggruppe Isartal in Kaiserstadt. Besonders nett: der Coach hat sich um den Transport des Fliegers gekümmert, der Pilot durfte vom "Ballast befreit" direkt aus München kommen...

Nach einem ausführlichen Briefing von Mathias Schunk und Wolfgang Schieck war dann so gegen 23:00 Uhr Schluß und ich fiel müde ins untere Bett von HGR's Wohnmobil.

 

1. Wertungstag - Samstag, der 28.04.07

Am nächsten Morgen war dann frühes Aufstehen angesagt, denn wir mußten erstmal die 2020 zusammenstecken. Dies sollte natürlich vor dem Frühstück geschehen, damit wir nicht gestreßt zum Briefing um 09:30 Uhr hetzen mußten.

Während das Auseinandernehmen der 2020 in UWOE noch eine rechte Plage war, fluschte das Zusammenstecken diesmal wie eine eins... in dieser Beziehung ist unsere 2020 halt manchmal eine etwas launische Diva - oder liegts doch am Piloten?

Am Hängerstandplatz hatten wir mit Holger Karow und seinem Nimbus 4 einen weltmeisterlichen Nachbarn. Nach der 2020 haben wir bei Holger kurz helfen wollen, jedoch hat diese "kurze" helfen hat dann doch "die ein oder andere Minute" gedauert - typisch Nimbus 4? Für die Nichteingeweihten: Unser Bernd hat mit seinem Nimbus 4  ja auch schon einiges an Lästerei zum Thema Auf- und Abbau hören müssen... jedoch seit der Erfahrung mit Holgers Nimbus steht zur Ehrenrettung von Bernd fest: Er ist nicht der einzige, der sich mit diesem Flieger längere Zeit plagen muß - auch ein Weltmeister hat im Groundhandling so seine Mühen... so ein Nimbus sollte wohl am besten nur fliegerisch bewegt werden ;-)

Kurz nach knapp sind wir dann jedenfalls ohne großes Frühstück zum Briefing erschienen, und wir waren nicht die einzigen, die zu spät waren...

Mittlerweile hatten sich auch noch Hans-Jürgen und mein Vater am Platz eingefunden, so dass die UWOE-Abteilung bereits zum Briefing in ansehnlicher Mannschaftsstärke auftreten konnte... war richtig nett, so gut unterstützt in den Event zu gehen...

Die Aufgabe für den Tag: "Wir fliegen Bundesliga zum freien Eingewöhnen..."

Die Gruppe von insgesamt ca. 35 Piloten wurde auf 3 Klassen aufgeteilt: "Schwergewichte", "Leichtgewichte" und "Einsteiger". Der Name der Klasse sagt schon alles, die "schweren Jungs" flogen mit den besten Maschinen und Wasser, die "Leichtgewichte" waren die Profis ohne Wasser, und die "Einsteiger" die Newbies - so wie ich...

Mit der Bundesliga-Aufgabe konnte sich jeder eine freie Aufgabe zum Flug ins Gebirge vornehmen, die Wertung erfolgte anhand der Geschwingigkeit im schnellsten 2,5 Stunden-Abschnitt der Strecke. Als Abschnitt konnte der schnellste Teil des Fluges gezählt werden, bei dem Abflugshöhe = Ankunftshöhe war (ich hoffe ich gebe das hier richtig wieder...). Damit muß man halt schon schauen, das man etwas taktisch fliegt, den es nützt nichts erst viel Höhe zu machen, und dann im Endanflug bis auf Höhe Platzrunde zu kacheln...

Das Wetter war jedenfalls klasse an diesem Tag, und ich konnte eine schöne kleine "West/Ost"-Erkundung fliegen...

Abends habe ich dann ein paar nette Stimmungsbilder am Platz schießen können, dazwischen war ich zu eingespannt zum fotografieren...

2. Wertungstag - Sonntag, der 29.04.07

An diesem Tag konnten wir etwas länger schlafen, da die 2020 zusammengebaut vor der Halle übernachtet hat. Die Crew hat netterweise am Vortag noch eingekauft, so dass der Proviant gesichert war. Dazu noch den leckeren türkischen Kaffee von HGR, was will man mehr!

An diesem Tag bekamen die "Profis" eine Aufgabe mit festen Turnpoints, vom Venetberg zum Grimming (Schwergewichte) bzw. zur Schmittenhöhe (Leichtgewichte). Die Einsteiger durften nochmals per Bundesligaaufgabe eine freie Aufgabe wählen.

Nachdem ich mit HGR noch ein detailliertes Nachbriefing zum Thema Flug hinter der Zugspitze Richtung Westen gemacht habe, wollte ich mich auch Richtung Venetberg aufmachen.

Die Einstieger gingen wieder als letzte auf die Strecke, daher konnten wir es erstmal ruhig angehen lassen.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zur Startorganisation: Die Organisatoren hatten dafür gesorgt, dass die Vergleichsflieger geschlossen mit bis zu 8 Schleppern 'rausgeschickt werden konnten. Das ganze ging mit einer Geschwindigkeit, davon kann man in UWOE nur träumen... Wenn 8 Schlepper loslegen, dann geht's zu wie am Fließband, das Einsteigen muß dann blitzschnell gehen! War schon beeindruckend, wie das abging!

Zurück zum Flug: gemäß der Einweisung von HGR habe ich mich über die Klassiker (Soiern, Wetterstein, Hohe Munde, Tschirgant) Richtung Venetberg vorgearbeitet und bin dann noch ein Stück in das (vermeintliche) Inntal geflogen... Gut, das ich dann relativ am Anfang wieder gedreht habe, denn ich hätte statt des Inntals doch das falsche Tal genommen... da hilft das beste Briefing nichts, wenn man aufgrund der Faltung seine Karte nicht richtig liest... 

Auf jeden Fall ging der Rückflug dann sehr gut und ich habe noch einen wunderschönen Endanflug vom Karwendel machen können, der ging so gut, dass ich gleich nach Starnberg durchfliegen konnte - so schön war ich noch nie über den guten Badeplätzen von Münchens Umgebung...

Am abend durfte dann unsere 2020 gleich noch in der SGI-Halle mit unterkommen, und damit sie sich nicht so allein unter fremden Flugzeugen fühlt, hat Mathias ihr noch gleich seine "Papa Mike" zur Seite gestellt - das nenne ich doch eine nette Geste :-)

 

 

 

3. Wertungstag - Montag, der 30.04.07

Der Tag begann mit der Aussage unseres "Wetterfroschs", dass dieser Tag wohl noch der relativ beste der drei nächsten Tage werden würde...

Entsprechend sollte es dann auch nur eine kleinere "Area Task" für alle geben. Aber vorher noch die Siegerehrung des letzten Tages, und kleine Überraschung, bei den Leichtgewichten gibt es nur zwei Plazierte, einer davon mit Außenlandung... was war geschehen? Fast alle Piloten haben irgendwie noch Beschränkungsgebiete gekratzt... wie im ersten Briefing angekündigt hieß das dann Nullwertung und gelbe Karte... konsequent und alle haben etwas gelernt...

Aber zurück zur Tagesaufgabe: Area Task heißt, dass man zwei Wendepunkte mit Radien darum genannt bekommt, und man kann sich die eigentlichen Wendepunkte innerhalb der dann entstehenden Areas selbst suchen. Die Aufgabe wird dann nach der schnellsten Geschwindigkeit um diese Wendepunkte gewertet, wobei aber eine Mindestflugzeit für die Wertung festgelegt wird. Das heißt: schnelles Fliegen nutzt nichts, wenn man unter der Mindestflugzeit bleibt. Beispiel: wenn man bei einer festgelegten Mindestzeit von drei Stunden für die Umrundung nur eine Stunde braucht, dann würde die Durchschnittsgeschwindigkeit immernoch auf drei Stunden berechnet... verstanden? - wenn nicht, fragt am besten jemand, der sich damit auskennt ;-)

Nach dem Briefing ging es gemütlich zur Startaufstellung, nach kurzer Zeit wurden die ersten auch geschleppt. Die Einsteiger sollten wieder als letzte auf die Reise (heutige Wendepunkte: Marktoberdorf mit einem Radius von 40km und Inntaldreieck mit 30 km) gehen, daher war ich noch sehr relaxed...

Nach den ersten Starts kamen erste Rückmeldungen: die Flieger konnten sich nur mühsam halten und die Bewölkung in den Bergen lag schon sehr tief auf... Nach einiger Warterei wurden die Nachrichten von oben nicht besser, und Mathias grübelte, ob er die Aufgabe verändern sollte...

Der Funkkontakt mit den Jungs oben zeigt auch mit fortschreitender Zeit, dass diese mehr schlecht als recht mit dem Obenbleiben kämpften... so dass erstmal keiner hinterhergeschleppt wurde. Weitere Warterei und heftiges Überlegen... bis zum Schluß der Tag mangels Aussicht auf gute Streckenfliegerei neutralisiert wurde... HGR sah es ganz entspannt - schließlich gehört so etwas ja auch zur Wettbewerbsfliegerei...

Nachdem also der Tag neutralisiert wurde und das Wetterbriefing vom morgen für den Folgetag auch nicht so richtig prickelnd klang, haben wir uns dann wieder Richtung Heimat nach UWOE abgemeldet...

Alles in allem: ein kurzer, aber schöner und lehrreicher Besuch in Kaiserstadt - mit vielen Dank an Wolfgang und Mathias von der SG Isartal für die gute Organisation.
Ich habe neue Einblicke gewonnen, viele nette Menschen kennengelernt und meinen Horizont Richtung Westen erweitert. Insbesondere verstehe ich jetzt mehr, welche Vorteile ein langer abendlicher Endanflug ins Flachland haben kann... trotzdem möchte ich aber unser schönes UWOE "hinter den Bergen" um nichts in der Welt eintauschen!

Marc Stadtlander

 

Nachlese 2. Teil:

Auf der Homepage vom FC Condor Antersberg ist ein Bericht von Christoph Schwaiger zu finden, der seine Eindrücke schildert... (siehe auch Kommentarspalte)