KYSI-Trip um die Adria
Peter Stahl und Hans Schreck
04.-09.08.2003
Nach den MoSe-Touren nach Skandinavien (1999) und um die Pyrenäen (2001) sollte es dieses Jahr nach Südosteuropa gehen. Da wir aus Termingründen in der Hochsaison und in der anhaltenden Hitzewelle unterwegs sein würden, entschieden wir uns für eine Route nach Kroatien. Anstatt dann nach Ungarn auszudehnen, planten wir den Rückweg in Küstennähe über Italien und Südfrankreich ein. Zelt und Schlafsack durften wegen der Rekordtemperaturen ebenso wenig fehlen wie die Badehose. Wir waren schon gespannt wie sich unsere neue KYSI (Super Dimona) auf dem ersten langen Trip im Vergleich mit unserer alten KISI (G109B) bewähren würde.
Tag 1 UWOE – Klagenfurt – Vrsar
Nachdem das Gepäck endlich verstaut ist (der Gepäckraum ist halt doch etwas kleiner als in der G109) starten wir am Montag morgen Richtung Klagenfurt zum Ausreisezoll aus dem Schengenraum. Bei stabiler Hochdrucklage und besten Sichten ist das Fliegen kein Problem. Da wir nicht sicher sind ob es in Vrsar Treibstoff geben wird, tanken wir bei der Zwischenlandung in Klagenfurt auf. Wie wir von der Flugberatung erfahren, sind auch einige Waldbrände auf Brac und Hvar gelöscht oder unter Kontrolle. Nach erneuter Flugplanaufgabe geht es in 1h Flugzeit über Slowenien weiter nach Vrsar, unserem Tagesziel.
Vrsar ist ein kleines Städtchen das nördlich des Lim-Fjordes auf der Westseite der istrischen Halbinsel liegt. Der kleine Flugplatz liegt unmittelbar am Fjord, und es geht alles angenehm informell zu. Erfreulich ist, dass trotz der Zollflugplatzfunktion keine Landegebühren verlangt werden. Wie schon vermutet gibt es aber auch keinen Sprit. Nach einem kurzen Mittagessen bringt uns ein Taxi zum Campinggelände, wo wir uns ein Plätzchen für die Nacht sichern. Den Nachmittag verbringen wir am direkt angrenzenden Strand. Zum Abendessen schlendern wir um den nächsten Hügel in die Stadt. Bei einigen Pivo (Bier) ist die Tageshitze von 37°C schnell vergessen.
Tag 2 Vrsar – Brac – Hvar
Nach einer Nacht unter Sternen (selbst im Zelt war es zu warm) und einem frühen Aufbruch zum Flugplatz stellen wir beim Check fest, dass die zwei Stunden Flugzeit gestern den Ölstand bereits erheblich gesenkt haben. Erstaunlich für einen neuen Motor, hoffentlich ist dies nur das Einlauf-verhalten. Gut das wir Öl im Gepäck haben. Wir starten ohne Aufgabe eines Flugplans direkt über den Lim-Fjord hinaus. Dann geht es über die istrische Halbinsel nach Südosten und kreuzen via Cres und Rab die Kvarner Bucht. Entlang des Velebit-Gebirges und der Insel Pag geht es der Küstenlinie folgend ins östliche Hinterland von Zadar. Unser weiterer Kurs VOR Split inbound führt uns direkt am Nationalpark Krka vorbei, wo wir die Schluchten und Wasserfällen von oben aus betrachten. Unser Ziel, die Insel Brac liegt gleich gegenüber der Bucht von Split, aber es dauert dann doch noch etwas bis wir nach ca. 2:30 h Flugzeit den Flugplatz im Südwesten in Sicht haben.
Die auch für Passagierflugzeuge geeignete Bahn von Brac liegt fast auf dem höchsten Punkt der Insel. Entsprechend der Windverhältnisse können im Anflug Leewinde stehen, aber heute ist dies kein Problem. Wir sind fast die einzige Maschine am ansonsten recht großzügig gestalteten Platz. Bei den Landegebühren wird uns später klar warum (€ 25). Die Abfertigungshalle wird gerade neu gebaut, um mehr Verkehr nach Brac zu bringen. Ein Taxi bringt uns die Serpentinenstraße hinunter nach Bol, denn wir wollen am Nachmittag am Goldenen Horn baden gehen.
Dieses recht bekannte Wahrzeichen ist eine natürliche Nehrung, die in die Meeresstraße zwischen Brac und Hvar hinausragt. Einige Stunden später holt uns das Taxi ab und bringt uns wieder hinauf auf den Platz. Nach dem Start und einer Rechtskurve ist der kleine UL Platz auf Hvar 15 km entfernt und 500m tiefer schon in Sicht. 8 min später landen wir bei einiger Turbulenz auf dem holprigen, ungeteerten Landesteifen. Beim Vertäuen der Maschine kommt uns Milan, Platzbetreiber und Inhaber einer NATO Genehmigung für Flüge nach Bosnien-Herzegowina, schon entgegen. Er erzählt uns später bei einigen Gläsern Rotweinschorle (in den Landegebühren inbegriffen), dass der Platz nur in den Sommermonaten betrieben wird. Er haust mit seiner Frau in wirklich einfachsten Verhältnissen am Platz (kein Strom, Dusche im Freien). Da die Schotterpiste, die am Flugplatz entlang führt, schon zur Zeit der Griechen existiert hat, liegt das ganze Areal unter UNESCO Schutz, was aber auch verbietet jemals eine ordentliche Landebahn zu teeren. Der Einfachheit halber und auf Einladung von Milan beschließen wir auch diese Nacht unser Zelt aufzustellen, diesmal direkt am Platz. Später bringt er uns nach Stari Grad wo wir erst einmal schön schwimmen gehen, bevor wir uns dem Abendessen widmen. Auch heute waren es wieder 38°C.
Tag 3 Hvar – Dubrovnik
Während wir mit Milan und Frau unseren Morgenkaffee trinken sehen wir, dass die Brandherde an den Hängen der Insel wieder aufgeflammt sind, Wasserflugzeuge sind im Löscheinsatz. Nach Milans ausführlicher Streckenberatung geben wir per Telefon einen Flugplan auf. Dann starten wir Richtung Dubrovnik. Unsere Route führt uns entlang der langgestreckten Insel Hvar nach Südosten, überspringen die gebirgige Insel Pelješac zum „NERA“ point nähe der Stadt Ston, einem Standard-Meldepunkt der VFR Adria-Route No.1. Von nun an sind wir auf einem Very Long Final zum Airport Dubrovnik, welcher uns dann direkt an der Altstadtkulisse von Dubrovnik vorbeiführt.
Die Bahn von Dubrovnik liegt entlang des Küstengebirges. Bei einer Länge von 3,3 km hat man normalerweise keine Probleme, abgesehen vom ablandigen Wind der an vielen Tagen über die Berge bläst, und eine ordentliche Seitenwindkomponente erzeugt. Der Platz informiert uns im Anflug über 15 kts Seitenwind, die unsere KYSI aber brav wegsteckt. In der Ankunftshalle treffen wir zufällig zwei österreichische Privatpiloten, die uns ihre Unterkunft empfehlen. So kommen wir zu einer günstigen Privatunterkunft mitten in der Altstadt, und zufällig fährt ein Bus der Croatian Airlines gerade ab in die Stadt. Der Nachmittag vergeht schnell mit einer ausgiebigen Stadtbesichtigung, einigen Stunden am Stadtstrand – in hervorragendem klaren Wasser – und einem Museumsbesuch. Die vielen hellroten Dachziegel verraten eine Menge Reparaturen nach dem Bürgerkrieg. In der Tat blieb fast kein Haus unbeschädigt während des monatelangen Beschusses durch serbische Kräfte von den Hügeln über der Stadt. Am Abend essen wir direkt am Hafen inmitten einer wunderbaren Kulisse.
Tag 4 Dubrovnik – Pescara – L’Aquila
Heute soll es über die Adria nach Italien gehen. Nach Aufgabe des Flugplans, Tanken und Ausreise-zoll starten wir früh am morgen bei nicht ganz so starkem Seitenwind (10 kts). Nach dem Abflug über den Pflichtmeldepunkt kann die Dimona ihre Steigleistung ausspielen, da wir in einem kräftigen Leegebiet auf das offene Meer hinausfliegen. Erst nach 10 min lässt das starke Fallen endlich nach und wir können Höhe machen. Unsere Routenwahl entlang der Insel Mljet und Lastovo dient zu unserer (Peter’s) Beruhigung. Nach und nach verschwindet der Horizont im Dunst zwischen Meer und Himmel, so dass man seine Instrumente gut im Auge behalten muss. Die weiteren gut 180 km über Wasser (eigentlich flogen wir schon ab Dubrovnik über Wasser) verlaufen ohne Vorfälle und wir landen nach 2:20 h in Pescara zum Einreisezoll. Anschließend brauchen wir gute zwei Stunden um alle Vorgänge mit den italienischen ‚Behörden’ abzuwickeln: der Zollmensch ist gerade zu Tisch, oder man rollt zum Tanken ans andere Ende der Bahn, muß zum Bezahlen aber wieder zurück ins Hauptgebäude usw. Endlich starten wir wieder in Richtung Westen. Eigentlich wollten wir nach Rieti, leider können wir den Platz aufgrund eines laufenden Segelflugwettbewerbs nicht anfliegen. Die Alternative heißt L’Aquila, unweit des Gran Sasso in den Abruzzen. Der lokale Aeroclub hat einen tollen Platz geschaffen, komplett mit Restaurant und kleinem Campinggelände, ideal auch für einen Segelflugurlaub. Nach einem kleinen Mittagessen wollen wir in die Stadt. Wir verlegen uns auf Trampen und werden schließlich mitgenommen. Da L’Aquila außer seiner Festung keine großen Sehenswürdigkeiten besitzt, gibt es auch trotz Hochsaison kaum Touristen in der Stadt – sehr angenehm. Nach einem ausgiebigen Stadtbummel und Abendessen bringt uns ein Taxi zurück. In dieser Nacht schlafen wir aufgrund der kühleren Höhenlage ausgezeichnet.
Tag 5 L’Aquila – Elba – Barcelonnette
Da die sommerliche Hochdrucklage weiterhin stabil bleibt, beschließen wir unseren Heimweg weiter nach Westen auszudehnen und spontan unsere Clubkameraden beim Segelfliegerlager in Barcelonnette zu besuchen. Danach soll es über die Zentralschweiz nach Hause gehen. Nach Streckenvorbereitung und Flugplanaufgabe queren wir den italienischen Stiefel via Rieti und den Lago Bolsano (VOR BOL) zum toskanischem Küsten- und VFR-Routenpunkt Talamone. Von nun an folgen wir der Küstenlinie bis Punta Ala und springen kurz übers Wasser nach Elba, wo wir für unsere obligatorische Siesta während der größten Tageshitze zwischenlanden. Nach dem bekannten Anflug ‚um die Ecke’ landen wir ohne Probleme. Wir parken die KYSI und machen uns zu Fuß auf dem Weg zum nächsten Strand. In Sichtweite löschen Hubschrauber auch hier lokale Brände an den Berg-hängen. Nach einer ausgedehnten Siesta starten wir nach der größten Hitze am späten Nachmittag und nach erneuter Flugplanaufgabe wieder aufs Meer hinaus. Die Strecke führt 100 min über Wasser nördlich an Korsika vorbei an die Côte d’Azur. Über Menton und Monte Carlo geht es entlang der VFR-Route nördlich an Nizza vorbei in die Haute Provence. Im ansteigenden Gelände stehen lokale Gewitter, die mit Umsicht umflogen werden können. Dabei sind uns die lokalen Ortskenntnisse aus den mehrmaligen Segelflugurlauben sehr von Nutzen. Als wir nach dem Durchgang eines Gewitters in Barcelonnette landen, sind unsere Kameraden gerade mit dem Abrüsten fertig. Die Überraschung ist uns gelungen! Den Abend beschließen wir bei Pizza und Wein.
Tag 6 Barcelonnette – Leutkirch – UWOE
Für die letzte Etappe planen wir eine Zwischenlandung in Leutkirch im Allgäu. Nach Aufgabe des letzten Flugplans, Frühstück und tanken, steigen wir kräftig um aus dem hohen Ubaye-Tal auszuflie-gen. Über den Col de Var führt unsere Route via Briancon ins Susa-Tal und weiter zum Gran Paradiso. Bei herrlichen Sichten (der Mont Blanc steht gleich links um die Ecke) und hoher Basis von mehr 12.000 ft kreuzen wir das Aosta-Tal und folgen dem Valpelline hinauf zum Matterhorn. Weiter geht es über die hohen Berge des Wallis vorbei am Aletschgletscher ins obere Rhone-Tal, überfliegen den Furka und Oberalppass, und folgen dem Rheintal mit der VFR Freigabe aus Zürich „nach eigenem Ermessen“ bis Chur. Wir setzen direkten Kurs nach Leutkirch, verabschieden uns von Zürich Info, schließen dann den Flugplan bei München Info und setzen nach 3:30 h Flugzeit in Leutkirch auf. Die Zwischenlandung nutzen wir zum Mittagessen, und nach weiteren 80min landen wir wieder in Unterwössen, wo man gleich im preussischen Militärton „begrüßt“ wird.
-- Klar, der Urlaub ist aus, wir sind wieder daheim in Oberbayern.
Statistik
Gesamtstrecke ca. 2900 km
Gesamtflugzeit 16:30 h
Reiseschnitt 175 km/h
Durchschnittsverbrauch Benzin 17,2 l/h oder 9,8 l/100 km
Verbrauch Motor-/Getriebeöl ca. 2,0 l (ca. 0.12 l/h oder 0.07 l/100 km) – evtl aber erhöht durch Kombination aus Einlaufphase, dünnes Synthetiköl und hohe Außentemperaturen
Unsere Erfahrungen KYSI vs KISI
- Die deutlich bessere Steigleistung ist eine Sicherheitsreserve beim Start auf unbefestigten Bahnen, bei engen Abflügen und in Leegebieten. Der Reiseschnitt ist vergleichbar mit der G109B, falls man keinen höheren Kraftstoffverbrauch in Kauf nimmt.
- Das Landeverhalten bei Seitenwind ist sehr gutmütig, das Dreibeinfahrwerk erleichtert enges Rollen und Parken.
- Aufgrund des deutlichen Ölverbrauchs (2.0l auf 16 Std) ist die tägliche Ölkontrolle ein Muss. Beim dafür erforderlichen manuellen Durchdrehen des Motors fühlt man sich in die Pionierzeit der Fliegerei zurückversetzt. Bei längeren Steigflügen mit hohen Außentemperaturen sollte man auf den Öldruck achten, der u.U. bis auf 2 bar sinken kann. Aufgrund der relativ kleinen Ölfüllmenge (max 3.0l) steigt die Öltemperatur trotz Wasserkühlung bei hoher Leistung deutlich. => Steigflüge mit erhöhter Fahrt zwecks besserer Kühlung durchführen (ca. 120 km/h)
- Man sitzt auf den Plätzen sind enger zusammen, so werden, da die Lehnen nicht verstellbar sind, lange Strecken für Personen ab 1,80m irgendwann spürbar
- Der Gepäckraum ist für Normalgepäck incl. Campingausrüstung (Zelt, Isomatten und Schlafsäcke) ausreichend, aber kleiner als in der G109. Auf die Schließzylinder (Sicherung der Schiebefenster) sollte man sich wohl besser nicht verlassen. (GPS Panel zumindest abnehmen und verstecken)
- Um verbrauchsarm zu fliegen sollte man sehr auf die Drehzahl im Reiseflug achten. Wenn man (abgesehen von Steigflügen) bei 2000 U/min fliegt (noch besser 1900), lässt sich ein Schnitt von 16-17l/h erfliegen.
- Der Rotax 912 Motor sollte wegen des Bleigehalts nur dann mit AVGAS geflogen werden wenn es nicht anders geht.
Fliegen in Kroation und Italien
- Die Controller in Kroatien/Italien sind durchweg professionell und sprechen passables Englisch.
- Landegebühren variierten zwischen € 0 (Vrsar) und € 33 (Dubrovnik)
- AVGAS kostete € 0,65-0,80 in Kroatien und bis zu € 2,20 in Italien
- Sobald Kontrollzonen angeflogen werden, ist auch ohne Grenzüberschreitung ein Flugplan erforderlich
- Generell, die standardisierten VFR-Meldepunkte (als GPS-Routenpunkte) nutzen.
- Man erleichtert sich und den Kontrollern die Arbeit und das Fliegen wird entspannter.
- Fliegen über Wasser ist eher ein mentales Pilotenproblem (Tip: Trotzdem nicht dem Motor erzählen!)
„Urlaubs“-Fliegen
- Peter’s erste „Urlaubsflieger“-Erfahrungen sind durchweg positiv.
- „Reisen bildet“ – über’s Flugzeug, Fliegen, Kultur, Land und Leute
- Flugplanaufgabe, Sprechfunk, etc.. selbst „kontrolliert geführte“ Flüge sind schon nach dem ersten Flugtag kein Problem
- Land und Leute sind meist sehr hilfsbereit
- Europa ist ein Land der kurzen Wege - Kroatien ist nur 2:00 h Flugzeit von Bayern entfernt !










