Von der Adria zur Ostsee
Reisebericht zum 4. Europaflug mit dem Motorsegler D-KISI
Bernd Rohleder, Gunnar Stadtlander
vom 30.06.bis 05.07.2001
Etwas mehr östlich sollte es schon sein, unsere diesjährige immerhin schon 4. Reise durch Europa! Und eine interessante tägliche Mischung aus Fliegen, Sightseeing und Baden sollte es auch sein.
Wegen einer, wie kann's auch anders sein, heran rauschenden Störungsfront schien es besser entgegen dem Uhrzeigersinn zu fliegen, also zuerst südöstlich Richtung Adria! So ging es nachmittags los, mit guter Beratung durch den Meteorologen und Gustls Erinnerung den Zoll nicht zu vergessen, zuerst nach Klagenfurt. Das eigentliche Ziel ist Portoroz in Slovenien, was wir aber nach Klagenfurt nicht mehr rechtzeitig erreichten, man schließt diesen PPR-Platz schon um 18.00Uhr local.
Aber der Stop in Klagenfurt war nicht ohne, wann wird man schon direkt vom Flugzeug vom "Follow Me" zum Hotel, ca. 5 km vom Platz entfernt, gefahren. Die Aufnahme im Hotel war entsprechend besonders und herzlich. Der erste Tag klang also sehr harmonisch auf der Hotel-Terrasse aus.
Problemlos ging es am nächsten Morgen auf der Runway 10 nach Portoroz, allerdings mußte die Bergkette der Karawanken auf Südkurs direkt bei Telsi erklommen werden. Ljubljana Info nahm uns in Empfang, warnte vor dem auf Südkurs liegendem Sperrgebiet Skofja Loka, was wir westlich umflogen, ließ sich VOR Illrska Bistrica "ILB" melden und übergab uns kurz vor dem Pflichtmeldepunkt PE1 an Portoroz Tower. Bei bestem Wetter ging es weiter über PE2 an der Adriaküste in den rechten Quer-, dann Endanflug auf die Piste 33. Hier wieder ein bemerkenswert netter Empfang, gekrönt durch einen Slivovic, von junger Damenhand gereicht.
Hotel und Transfer werden problemlos vom Flughafen arrangiert, und schon sitzen wir im Wagen nach Piran, einem netten alten Fischerei-Ort an der Nordostspitze von Istrien.
Flieger, kommt ihr nach Portoroz, laßt euch ins Hotel Piran fahren: nicht zu teuer, direkt am Wasser, und die Stadt ist ein Kleinod! Wir genossen das Bad im klaren Wasser der Adria, schliefen ein wenig in der Sonne, um uns vor der Stadtbesichtigung nochmals ausgiebig im Wasser zu erfrischen. Der Stadtrundgang nimmt, bei ausführlicher Betrachtung, keine zwei Stunden in Anspruch, aber er lohnt sich. Reifere Herren freuen sich dann auf ein gutes Essen, welches wir natürlich in einem gemütlichen Restaurant an der Promenade zelebrierten. Danach erholsamer Spaziergang, es war halt alles so gut, und ein letztes Bier am großen Platz des Ortes.
Morgens um 8.00 Start zur nächsten Etappe, dem Flugplatz Hosin in Tschechien. Wetterberatung kündet zwar Kumuli, leichte örtliche Schauer, aber keine Überentwicklungen und fliegbare Sichten an. Die Hauptwolken-Untergrenze soll 5oo ft über dem Alpenhauptkamm liegen, also sollte es theoretisch gehen. Bei strahlender Morgensonne geht es von Portoroz direkt hinaus über die Adria in Richtung Ronchi VOR, Italien. Von dort die berühmte VFR Alpenquerung über Udine, Gemona del Friaul und Tarviso hinauf zur Passhöhe nach Punto Confine, wo wir Österreich bei Villach erreichen.
Wir folgen bei noch herrlichem Wetter dem Tal, hören Padua rufen, werden aber dort nicht empfangen. Padua teilt uns blind den Transpondercode von Wien Info mit, schon auf Passhöhe werden wir empfangen und bis zur tschechischen Grenze begleitet. Nördlich von Villach wird es ungemütlich, starke Böen schütteln, Regen läßt die Sicht zurückgehen. Wir überlegen schon wo wir im Zweifelsfall landen sollten, bevor es gefährlich wird, aber wir identifizieren im Nordwesten Helligkeit und den Obertauern-Pass. Und es geht ohne Probleme, Obertauern liegt bald unter uns, ab jetzt wird es sichtbar besser. Mit dem GPS ist es leicht den Überflugpunkt nach Tschechien zu finden. Wir sagen Wien Info ade und wir nehmen Kontakt mit Prag Info auf. Gegenüber unserem Flugplan landen wir mit einer knappen Verspätung auf dem Flugplatz Hosin, der ca. 5 km von Budweis und 25 km von Krumlov entfernt liegt.
Krumlov ist eine alte Stadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, und zwar mit Recht! Es liegt in seiner gepflegten mittelalterlichen Schönheit in einer Doppelschleife der Moldau, hier die Stadt, auf der anderen Flussseite, aber beides im engen Tal, die Burganlage. Alles sehr liebevoll restauriert, ein echtes Erlebnis! Auch diese Stadt, obwohl doch sehr unterschiedlich zu Slovenien, ist ein empfehlenswerter Tipp.
Wieder klingt der Tag bei einem guten Abendessen am Moldauufer aus, ganz leise die berühmten Töne der Moldau-Melodie im Ohr.
Schlafen tun wir in Budweis, wo das letzte Bier, natürlich ein Budweiser Pils, am zentralen Platz bei Sonnenuntergang genossen wird. Schlafen tun wir bei "horch und guck", in einem alles überragendem "Stasi-Plattenbau" aus vergangenen kommunistischen Tagen, wo allerdings die Neuzeit noch nicht ganz angekommen ist.
Das Taxi bringt uns am nächsten Morgen zurück zum Flugplatz, wir sind pünktlich wie mit Zoll und Polizei abgesprochen damit wir um 10.00 Uhr starten können. Der gleiche Polizist kam wieder ans Flugzeug, und will unsere Ausweise sehen. Aber Vorschrift ist Vorschrift ..., die halt erfüllt sein muss, schließlich kommt er doch, wie der Zöllner, extra wegen uns zum Platz heraus.
Aber dann geht es bei noch nicht sehr hoher Wolkenbasis pünktlich ab zum Höhepunkt der Reise, nach Berlin Tempelhof. Prag Info übergibt uns an der Grenze an Berlin Info weiter. Jetzt wird es spannend: Berlin Tempelhof ist lt. VFR Anflugkarte kein Platz für Motorsegler, aber sie haben ja unseren Flugplan akzeptiert. Wir vertrauen darauf, das uns dieses besondere Erlebnis nicht durch kleinmütige Bürokratie genommen wird, nämlich dort, auf geschichtsträchtigem Boden selbst landen zu dürfen. Schließlich bin ich im Berliner "amerikanischen Sektor" aufgewachsen und erinnere mich daran, während der Luftbrücke die vielen Maschinen in Tempelhof landen zu sehen, mein Vater hat beim Ausladen geholfen. Schon damals habe ich fliegen, wenn auch als knapp 5jähriger kaum bewusst, als etwas ganz besonderes wahrgenommen, und so ist es noch heute!
Kurz vor erreichen der CVFR Grenze, wir wollen uns gerade bei Berlin Info in Erinnerung bringen, kommt schon die Aufforderung auf Berlin Tower umzuschalten, große Erleichterung bei uns. Der Rest ist einfach: bei bester Sicht und 2/8-tel Cumuli folgen wir der Anweisung, der VFR Einflugroute von Südwesten zu folgen, d.h. über Wiskey 1 und 2 zur Runway 09 L zu fliegen. Scheinbar ist wenig los, schon bei W 2 erhalten wir noch ca. 5 km von der Schwelle entfernt die Landefreigabe und haben viel Zeit alles zu genießen. Weil es keinen Rollweg in der Mitte der Bahn gibt ist lange Landung angesagt, aber noch immer setze ich zu früh auf, 2400 mtr. sind halt doch ungewohnt lang. Macht nichts, wir genießen es hier zu sein und folgen dem "Follow Me" gern zum Abstellplatz vor dem "Kleiderbügel", dem weltberühmten halbrunden Abfertigungsgebäude, welches insgesamt das größte Gebäude in Europa ist!
Hier werden wir von meinem Schulfreund abgeholt, mit dem mich eine mehr als 50 jährige Freundschaft seit der 1. Schulklasse verbindet! Als Bootsbesitzer zeigt er uns die Schönheit Berlins vom Wasser aus, die Fahrt geht bis Potsdam.
Morgens um 8.00 beginnt das Sightseeing für uns in der Glaskuppel auf dem Reichstag, sie bietet einen unvergleichlichen Ausblick über das neue Regierungsviertel einschließlich neuem Kanzleramt. Weiter geht es zu Fuss durchs Brandenburger Tor, Unter den Linden, Gendarmenmarkt, alten Palast der Republik aus DDR-Zeiten zum Berliner Dom und Alexanderplatz. Nach einer Erfrischung geht es zurück zum Flugplatz Tempelhof, um nach Peenemünde zu fliegen.
Wetter immer noch strahlend und CAVOK, Bernd ist "in command". Nach knapp 2 Std. liegt Usedom unter uns, rechts ist die Oder und damit die Grenze zu Polen erkennbar. Weil aber die Sicht so exzellent ist umkreist Bernd noch die Insel Rügen, mit Vorbeiflug am bekannten Kreidefelsen. Nicht weit im Norden ist schon Schweden erkennbar! Aber wir wollen ja noch
das Museum von Peenemünde sehen, wo die Raketentechnik begann, leider nicht nur friedlich. Nach der Landung auf dem alten Militärflughafen der Volksarmee werden wir freundlich begrüßt und von einer netten Wirtin abgeholt. Sie nimmt unser Gepäck mit zum Hotel, setzt uns aber beim Museum ab.
Der Rundgang ist jedoch eine kleine Enttäuschung, vielleicht waren unsere Erwartungen aber auch zu groß, zu viel wurde nach dem Krieg zerstört.
Dann geht es romantisch mit der Inselbahn nach Karlshagen, einem neu hergerichteten Ostseebad. Nun aber nichts wie ins Wasser der Ostsee, auch als ausgleichendes Erlebnis zum Bad in der Adria vor nur 3 Tagen. Es ist herrlich, natürlich nicht so warm wie im Süden, aber schöne Wellen rauschen wegen des steifen Nordostwindes heran. Auch dieser Tag wird mit einem guten Essen auf der Hotelterrasse, einem anschließendem Spaziergang über die Strandpromenade und einem letzten Bier gemütlich beendet.
Morgen soll / muß es zurückgehen: diesmal muß Bernd seinen neuen beruflichen Verpflichtungen am kommenden Sonntag in Schweden nachkommen, aber auch weil die nächste kräftige Gewitterfront heranrollt, vor der wir gern in Unterwössen sein würden. Also planen wir eine Zwischenlandung in Jena ein. Und alles passt: Flug nach Jena dauert nur 2:16 Std., Zwischenlandung mit Tanken für Mensch und Maschine, dann weitere nur 2:11 Std. bis zum touch-down in UWOE. Kaum glaublich, aber ohne Rückenwind in nur 4 ½ Std. von der Ostsee zurück, wir waren selbst überrascht. Und es wäre auch ohne Tankstop gegangen!
Braver Motorsegler, der Dank bester Wartung wieder problemlos und sicher geflogen ist. Dank auch mal an dieser Stelle an alle, die dazu beitragen, insbesondere an unseren Motorseglerwart Dieter!
Bernd & Gunnar











