Der Frankreich-Turn
Bernd Rohleder u. Gunnar Stadtlander vom 14.-18.7.99 mit der D-KISI
Das Wetter ist mal wieder ... ! Unterstützt durch die Checkliste der Skandinavienflieger Ansgar und Hans und mit neu eingestellter Latte sind wir uns –nach Diskussion über die Brauchbarkeit des Wetters – einig, es soll am Mittwoch losgehen. Aber bekanntlich haben die Götter den Schweiß vor den Erfolg gesetzt. Die Batterie der KISI gibt plötzlich ihren Geist auf und alle Versuche eine neue im Umkreis von UWOE zu ergattern schlagen fehl. Aber wir haben Zeit, es regnet noch fleißig. Anruf von Gustl im Herstellerwerk in Mindelheim verspricht Abhilfe, wir können vorbeikommen und eine neue Batterie würde eingebaut (aber bitte kommt pünktlich vor 16.00 Uhr Betriebsschluß) Dies ist nicht zu machen, verspricht doch der Wetterberater nur ein kleines Fenster, aber eben nicht vor Mittag.
So wird mit dem Werk vereinbart, daß wir uns mit Siggi Weymann in Bad Wörishofen treffen könnten (er wohnt dort in der Nähe und bringt die Batterie mit).
Zwischenzeitlich klart das Wetter auch in UWOE auf, so daß wir pünktlich um 15.00 Uhr lokal abheben. Siggi macht sich wie wir Gedanken ob das Treffen in Mindelheim nicht sicherer wäre (Bad Wörrishofen hat nur eine kurze und durchgeweichte Grasbahn)! Sicherheit geht auch bei ihm vor, also hält er extra für uns den Werksflugplatz offen. Zwischen gewittrigen Schauern geht’s also nach Westen, nur vor den letzten 20 km liegt ein kräftiges Gewitter. Wir sprechen mit Mindelheim und hören, am Platz sei alles ok., also muß uns ein weiter westlicher Bogen helfen. Es entwickelt sich wie gewünscht und wir können ca. 20 Min. später landen. Der freundliche Helfer steht bereit, so daß noch Zeit zu einer kleinen Werksbesichtigung bleibt. Nach einer guten halben Stunde geht’s aber schon weiter nach Friedrichshafen, um Zoll und Flugplan zu machen. Das Wetter entwickelt sich gut, nun wird präzise mit der Zeit gerechnet, bleibt doch der Wunsch noch bis Chambery in Frankreich zu kommen. Die Planung zeigt, es geht ohne Nachtanken und wir müßten es bis Sunset schaffen. Also los, an Basel südlich vorbei, über den Bieler- und Thuner See, dann Genfer See, östlich das Hochgebirge (Spitzen noch immer im Dreck) liegen lassend nach Chambery
Auf dem Weg, über dem Thuner See bekomme ich (wir) Angst vor der eigenen Courage und rufen Neuchatel um dort zu bleiben. Aber keine Antwort - ist ja auch eine Antwort! Also folgt zweiter Zeitcheck der zeigt, nichts hat sich verändert, wir müßten pünktlich ankommen. Und wie wir dies tun: nur drei Minuten nach Sunset, um 21.33 Uhr lokal setzen wir in Chambery auf. Auspacken, tanken, zahlen und mit dem Taxi nach Aix le Bain zum Hotel, welches der Taxifahrer empfiehlt. Entspannung stellt sich beim anschließenden Bier und gutem Essen ein.
Donnerstag lassen wir‘s etwas gemütlicher angehen. Ausgiebig frühstücken, Route planen, dann weiter nach Carcassonne Das Wetter macht keine Probleme, nur mit den diversen Beschränkungsgebieten haben wir unsere Not. Erste Entscheidung: ich bin heute der Navigator. Zweite Entscheidung: Wir versuchen über Funk zu klären, welche Gebiete aktiv sind, ansonsten bleiben wir „unten“ um nicht Anderen „ins Gehege“ zu kommen. Aber mit dem Funk haben wir dann unsere Schwierigkeiten. Marseille Info, Rhone Info u.s.w., keine Antwort. Sprechen wahrscheinlich nicht englisch oder wollen nicht. Uns ist‘s recht, wir bleiben halt zwischen 1.000 und 1.5oo Fuß über Grund. Wir geniessen den Flug und den Rückenwind im Rhonetal, das Delta ist sogar gut zu sehen, nicht so diesig wie erwartet. Bei Montpellier und Beziers meinen wir, daß man uns scheinbar nicht versteht. „Können wir ja nicht dafür, daß die kein engl. sprechen“ denken wir. Dann zieht die Mittelmeerküste unter uns nach Nordost weg und wir erreichen fast Spanien. Unser Tagesziel liegt nördlich der Pyrenäen, noch ca 80 km westlich. Näher kommend rufe ich Carcassonne Tower, bleibe aber wieder ohne Antwort. Nun wird langsam guter Rat teuer, es kann doch nicht sein daß die da unten auch mundfaul sind. Wir fliegen lehrbuchhaft das Anflugprocedure ab, an der Position kann uns der Tower bestimmt sehen. Es ist kein Verkehr am Platz, also landen wir. Bernd hält danach nichts mehr, er rennt zum Tower. Alles ok. wird ihm beschieden, aber unser Funk sei schlecht! Wie gut daß wir noch die Headsets als Alternative haben, die arbeiten einwandfrei.
Gleiches Procedure wie gestern: tanken, zahlen, Taxi, Hotel, Dusche. Da es noch früher Nachmittag ist gehen wir zu Fuß zur alten Citte, dem Wahrzeichen von Carcassonne. Es ist die mittelalterliche Stadt, komplett erhalten, mit Burg und Stadtmauer, mit Allem was dazugehört. Sie ist sehenswert und trotz der vielen Touristen gemütlich. Und der Wein schmeckt gut!
Abends bedeckt sich der Himmel, der Wind aus West frischt auf. Wie wird’s wohl morgen, locken doch Biarritz und der Atlantik! Je nach Gegenwind wird’s ein dreieinhalb bis viereinhalb Stundenflug. Aber das Wetter bleibt auf unserer Seite: durch ein über Nordspanien sich entwickelndes Hitzetief wird aus Gegenwind Rückenwind, was wollen wir mehr?. Zwar ist die Wolkenbasis nicht üppig, aber absolut ausreichend. So geht es an den Pyrenäen entlang „straight west“, und die Flugzeit bleibt unter drei Std. Vom Flugplatz in Biarritz geht’s direkt zum Strand. Vor der mondänen Kulisse der Grandhotels der Jahrhundertwende liegen herrliche Sandbuchten, die zum Baden einladen. Und so machen wir‘s, Badezeug ist ja vorbereitet. Aber Achtung, die Wellen des Atlantik sind groß und mächtig, schon mancher hat sie unterschätzt. Uns macht’s riesig Spaß dies zu erleben. Natürlich meldet sich danach der Hunger, und so setzen wir uns mit einem belegten Bagette und Cola bewaffnet auf eine Bank an der Promenade um Ort und Zeit zu genießen.
Wegen des nordspanischen Hitzetiefs soll‘s noch nach Arcachon, 150 km nördlich bei Bordeaux gelegen, weitergehen. Es ist ja lange hell und wir rechnen damit, daß die Beschränkungsgebiete an der Küste Freitag nachmittags nicht aktiv sein werden (was sich auch so bewahrheitete). Also geht es gegen 5.00 Uhr lokal weiter in Richtung Norden. Ohne fliegerische Komplikationen, aber mit schönen Eindrücken von der ununterbrochenen Küste mit hohen Dünen kommen wir zur höchsten Wanderdüne Europas bei Arcachon, die nun von oben und morgen zu Fuß betrachtet wird. Schon gewaltig, dieser Sandhaufen! Und warum gerade dort? Da wir keine Geologen, sondern Flieger sind genießen wir die Perspektive und machen uns zur Landung klar. Wir werden nett empfangen und mit allem versorgt: Hotel, Wetter, weitere Flugwegberatung. Dabei stellt sich heraus, daß unser eigentlich nächstes Ziel Bourges (man sagt uns es läge in der geographischen Mitte Frankreichs) keinen Sprit bieten kann, die Tankstelle wird repariert. Neues Ziel: Nevers an der Loire, dies klingt gut nach alter, gemütlicher Kleinstadt mit netten Restaurants und gutem Wein. Aber zuerst gilt es den Freitagabend in Arcachon zu genießen. Hotel direkt an der Strandpromenade, das hilft schnell ins erfrischende Wasser zu kommen. Und zum Abendessen haben wir’s auch nicht weit, erleben den Sonnenuntergang und genießen wie Gott in Frankreich.
Auch der nächste Tag beschert uns CAVOK, also machen wir uns mit reichlich Creme geschützt auf den Weg zur und auf die Düne. Am Fuß liegen noch sichtbar verschiedene ehemalige Geschützbunker aus der Westwallzeit, sie zeigen bildhaft wie die Zeit alles verändert. Nach ausgiebigem Baden, Sonnen und leckerem Mittagessen geht’s zurück zum Flugplatz: Abflug nach Nevers. Wenn es uns bis jetzt noch nicht bewußt war, hier kann man es nicht übersehen: Frankreich ist enorm groß und, von den Städten abgesehen, ein gemessen an Deutschland leeres Agrarland. Nach ca. 4 Std. erreichen wir Nevers, wieder will keiner mit uns sprechen, also ist erneut das dafür vorgeschriebene Anflugprocedure angesagt: Platzmitte überfliegen, Windrichtung am Windsack kontrollieren. Da der Wind schwach erscheint Anflug auf der dafür lt. Anflugkarte gewünschten Landerrichtung 30. Benzin gibt’s, Taxi kommt, Hotel ok., wir suchen ein nettes Restaurant zum draußen sitzen. Aber so ganz das Richtige finden wir nicht. Also schauen wir uns die durchaus sehenswerte Stadt an und bleiben in einer Brasserie hängen, zwar draußen, aber eben nicht so wie wir’s uns vorgestellt haben. Um satt zu werden muß es ein „Burger“ sein, wahrlich nicht typisch französisch.
Weil Sonntag ist lassen wir uns am nächsten Morgen etwas Zeit, so daß es schon nach 10.00 Uhr ist als wir zum Flugplatz kommen. Alles steht offen und keiner will Landegebühr kassieren. Getankt hatten wir gestern, Wetter zeigt CAVOK und nennt nachmittags Überentwicklungen über den Vogesen/Schwarzwald. Also lautet der Beschluß: Rücksturz nach UWÖ, bevor der Himmel dicht macht. Unterwegs wird alternativ noch Landung in Neuchatel/CH diskutiert und so entschließen wir uns zu einer Zwischenlandung um einen Flugplan für die Schweiz aufzugeben. Da aber wieder mal keiner im Tower ist, keiner engl. spricht und wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen können geben wir auf und bleiben bei dem Direktflug nach Old Germany über Friedrichshafen. Aber ein Schlenker nach Süden an Zürich vorbei darf’s schon sein. Dies macht uns nach Friedrichshafen und dem Zoll Lust auf den Heimflug über den Aarlberg-Paß, an Innsbruck nördlich vorbei das Inntal abwärts, der Höhenmesser zeigt zeitweise mehr als 12.000 Fuß.
Gegen 18.00 Uhr lokal geht ein wunderbares Erlebnis zu Ende Die KISI und Jene, die sich immer darum kümmern daß sie zuverlässig fliegt haben wieder ihre Qualitäten bewiesen. Unseren Dank dafür nochmals an dieser Stelle.
Gunnar Stadtlander

